Organisierte Kriminalität im Misox: Regierung droht dem Überbringer der schlechten Nachricht statt zu handeln
Die SVP Graubünden nimmt mit Befremden und grosser Besorgnis zur Kenntnis, dass die Kantonsregierung dem Bürgergemeindepräsidenten von Roveredo mit einer Zwangsverwaltung droht. Aurelio Troger hat den Mut aufgebracht, auf die Unterwanderung des Misox durch mafiöse Strukturen hinzuweisen. Die Antwort der Regierung ist nicht Handeln, sondern Einschüchterung. Das ist inakzeptabel.

Im Frühjahr 2026 wurden in einer international koordinierten Aktion vier Personen in Roveredo verhaftet, die mit gültigen Bündner B-Aufenthaltsbewilligungen im Misox lebten. Sie werden der neapolitanischen Camorra, der kalabrischen ’Ndrangheta und einem Balkan-Clan zugeordnet. Über Jahre sollen Millionen aus dem Drogenhandel über Roveredo gewaschen worden sein. Einem der Verhafteten wurde zunächst die Aufenthaltsbewilligung in Graubünden erteilt, obwohl die Tessiner Behörden sie ihm zuvor verweigert hatten, weil er mit einer kriminellen Organisation in Verbindung stand. Später im März dieses Jahres, zum Zeitpunkt der Vollstreckung der Verhaftungen, wurde ausserdem nicht unmittelbar zum Entzug der Bewilligungen geschritten.
Bürgergemeindepräsident Aurelio Troger hat daraufhin Ende März einen Bummelstreik bei Einbürgerungen eingeleitet. Dies aus Protest gegen eine Regierung, die das Tal mit der Mafia-Problematik alleinlässt.
Eskalation statt Lösung
Statt die berechtigten Sorgen der Region ernst zu nehmen, droht die Kantonsregierung nun mit einer Zwangsverwaltung der Bürgergemeinde Roveredo. Der entsprechende Brief von Regierungsrat Peter Peyer ist am 9. Mai bei Troger eingegangen.
Die SVP Graubünden verurteilt dieses Vorgehen. Wer Missstände benennt, verdient Unterstützung und definitiv keine Zwangsverwaltung. Die Regierung diszipliniert einen Lokalpolitiker, der den Mut hatte, ein Problem beim Namen zu nennen, das die Behörden seit Jahren nicht in den Griff bekommen. Das ist ein fatales Signal an alle Gemeinden, die künftig auf Probleme hinweisen wollen.
Symbolpolitik statt wirksamer Massnahmen
Die bisherige Reaktion der Regierung auf die Mafia-Problematik beschränkt sich auf die Einführung einer Selbstdeklaration auf dem Gesuchsformular für Aufenthaltsbewilligungen. Wer glaubt ernsthaft, dass ein Angehöriger der organisierten Kriminalität die Frage nach Vorstrafen wahrheitsgemäss beantwortet? Diese Massnahme ist höchstens Symbolpolitik.
Das Tessin verlangt seit über zehn Jahren Strafregisterauszüge bei Aufenthaltsbewilligungen. Bern hat nie interveniert. Das Argument, rechtliche Hürden würden ein analoges Vorgehen in Graubünden verunmöglichen, ist damit widerlegt.
Forderungen der SVP Graubünden
Die SVP Graubünden fordert die Kantonsregierung auf:
- Die Drohung der Zwangsverwaltung gegen die Bürgergemeinde Roveredo sofort zurückzunehmen und stattdessen den Dialog mit den betroffenen Gemeinden zu suchen.
- Strafregisterauszüge bei der Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen verbindlich einzuführen, wie es das Tessin seit über zehn Jahren vormacht.
- Systematische Vorprüfungen bei Gesuchen durchzuführen, einschliesslich frei verfügbarer Open-Source-Recherchen. Wenn eine einfache Internetrecherche genügt, um Vorstrafen aufzudecken, muss das auch ein kantonales Amt leisten können.
- Migrationsamt, Handelsregister und Kantonspolizei personell aufzustocken. Diese Investitionen amortisieren sich, weil sie Schaden für Wirtschaft und öffentliche Hand verhindern.
- Die operative Tätigkeit juristischer Personen im Misox konsequent zu überprüfen. Hunderte Briefkastenfirmen ohne echte Geschäftstätigkeit dienen als Werkzeuge für Geldwäsche und Erschleichung von Aufenthaltsbewilligungen.
Die Bevölkerung im Misox hat ein Recht darauf, dass ihre Sicherheit ernst genommen wird. Die SVP Graubünden steht an der Seite von Aurelio Troger und der Gemeinden, die Missstände benennen. Wir erwarten von der Regierung Handeln statt Drohungen.
Weitere Auskünfte erteilen:
Roman Hug
Nationalrat & Präsident SVP Graubünden
📞 078 600 98 20
✉️ rh@bhp-ag.ch
🌐 www.svp-gr.ch
