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1. Augustrede Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher in Flims

Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident
Liebe Familie Lerchi, Liebe Flimserinnen und Flimser
Liebe Eidgenossinnen und Eidgenossen, Liebe Gäste
Bien di

Wir Schweizer feiern heute bereits den 725. Geburtstag der schweizerischen Eidgenossenschaft. Für ein Land ist das ein aussergewöhnlich hohes Alter. Sie haben mich für die Feier hier in den Lerchihof auf 1222 Meter über Meer geladen – hoch über der Ruinaulta und am Fusse des mächtigen Flimsersteins in Flims, wo ich als Jugendliche jeweils mit der Familie meiner Freundin zusammen die Winterferien verbringen durfte. Auch geschäftlich bin ich mit der Region verbunden, kommen doch zahlreiche unserer Mitarbeiter der EMS-CHEMIE aus dieser Region. Mein Vater ist ja ein gelernter Bauer und so ist unsere Familie immer wieder auf Viehschauen und auf Bauernbetrieben anzutreffen. Unsere 14-jährige Tochter ist soeben aus einem 2-wöchigen Landdienst in St. Antönien zurückgekehrt.

Wir Schweizer feiern den Nationalfeiertag nicht wie andere Länder mit einer zentralen Feier in der Hauptstadt. Wir feiern überall verteilt im ganzen Land: In den Dörfern, auf den Bergen, mit Familie und Freunden. Das gemütliche Zusammensein in Frieden hat gerade in der heutigen unruhigen Zeit zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Unsere 1. August-Feiern leben von Eigeninitiative und kreativen Ideen und zeugen oft auch von einer grossen lokalen Verbundenheit. So ist auch diese Feier nur dank dem grossen Einsatz der Familie Lerchi, der Gemeinde Flims und den lokalen Musikkapellen möglich.

Das sind die Stärken der Schweiz: Freiraum und Föderalismus statt Harmonisierung und Zentralismus. Die Schweiz findet nicht in Bern statt, sondern überall bei den Bürgern, eben auch hier auf dem Bauernhof, in der Natur. Gerade unsere Landwirtschaft steht für wichtige Schweizer Werte: Unsere Bodenständigkeit und die Verbundenheit mit der Natur. In Graubünden sind über 50% der Landwirtschafsbetriebe Bio-Betriebe wie dieser Hof. Die harte Arbeit im wechselnden und manchmal rauen Klima – meine Tochter weiss aus dem Landdienst, wovon ich spreche – lässt uns Schweizer immer wieder hartnäckig nach der besten Lösung suchen und den eigenen Weg mit Zuversicht gehen.

Wir Schweizer sind ein Volk von Minderheiten. Die Schweiz ist aus verschiedenen Regionen, Tälern, Sprachen zusammengesetzt. Gerade der Kanton Graubünden mit seinen 150 Tälern, seinen unterschiedlichen Sprachen und Kulturen, sowie seiner traditionell föderalistischen Struktur ist dafür das beste Beispiel.

Was verbindet uns alle bei den 1. August-Feierlichkeiten? So verschieden wir sein mögen, uns verbindet ein starker gemeinsamer Wille, in einem Land zu leben, das seinen Weg in Selbstbestimmung geht. Jeder einzelne bestimmt über das Schicksal der Schweiz mit. In keinem anderen Land haben Bürger wie Sie und ich so viel zu sagen wie bei uns.

Unser Wohlstand, um den uns das Ausland beneidet, gründet darauf. Obwohl wir klein sind, keinen eigenen grossen Markt haben, über keine eigenen Rohstoffe verfügen und hohe Löhne kennen, sind wir erfolgreich. Wir können schnell und unkompliziert entscheiden, flexibel sein und unsere Lösungen ganz auf uns selbst ausrichten.

In der Geburtsstunde der Schweiz im Sommer 1291 standen beherzte Männer auf dem Rütli am Vierwaldstättersee – also auch in den Bergen – zusammen, leisteten einen Schwur und besiegelten diesen mit dem Bundesbrief. Keiner dieser klugen und weitsichtigen Männer konnte lesen oder schreiben. Ein Geistlicher verfasste das gerade mal 20 cm breite und 32 cm lange Blatt Pergament mit 17 Zeilen in lateinisch. Man kann sich vorstellen, wie viele Bücher ein solches Dokument heute umfassen würde!

Die Gründerväter der schweizerischen Eidgenossenschaft waren keine hoch gebildeten Juristen und Staatsrechtler, sie wussten nichts von meterlangen erlassenen Gesetzen und unzähligen, komplizierten Paragraphen, mit denen wir uns heute in Bern herumschlagen.

Es herrschte die „Arglist der Zeit“ – wie es im Bundesbrief heisst. Habsburgische Vögte und Herrscher bedrängten die alten Eidgenossen und wollten ihnen Freiheitsrechte, Selbstbestimmung und Selbstverantwortung entziehen. Mit dem Schwur des ewigen Bundes wollten sie ihr Schicksal gemeinsam in die Hände nehmen und keine fremden Richter über sich dulden.

Trotz, oder vielleicht gerade wegen seiner Einfachheit, ist der Bundesbrief zeitlos und heute noch aktuell.

Die heutige Bundesverfassung basiert auf diesem Bundesbrief von 1291. Als erstes wird geregelt, dass die Freiheit und die Rechte des Volkes geschützt und die Unabhängigkeit und die Sicherheit des Landes gewahrt werden sollen.

Über 725 Jahre lang haben die Schweiz und in erster Linie die Bürger trotz aller Arglisten der Zeiten immer wieder die Kraft gefunden, den eigenen Weg in Freiheit und Unabhängigkeit weiter zu gehen.

Leider sehen wir heute aber in der nationalen Politik, dass Regierung, Bundesverwaltung und die Mehrheit des Parlaments nicht bereit sind, für diese während Jahrhunderten bewährten Werte Freiheit, Unabhängigkeit und Sicherheit einzustehen. Es locken die Versuchungen der Grossmächte. Nach dem Vorbild eines schwächelnden Europas sollen Rechte und die Freiheit des Einzelnen beschnitten und alles zentral reguliert und kontrolliert werden.

Durch die Einschränkung von Initiativen und Referenden sollen nicht genehme Volksentscheide verhindert und die direkte Demokratie eingeschränkt werden.

In der Landwirtschaft soll jeder Handgriff vorgeschrieben, dokumentiert und kontrolliert werden. Im Tourismus und im Gewerbe verhindern starre Gesamtarbeitsverträge und ein überbordender Papierkram rasche Anpassungen an veränderte Rahmenbedingungen.

Und zu guter Letzt, und das ist wirklich beängstigend, wird die Masseneinwanderung benutzt, um sogenannte „institutionelle Rahmenverträge“ mit der EU einzugehen. Unter diesem Deckmantel soll die Schweiz automatisch EU-Recht übernehmen und EU-Richter akzeptieren.

So würden wesentliche Grundsteine des Bundesbriefes 1291 aufgehoben, fremdes Recht und fremde Richter akzeptiert und dem Volk das letzte Wort entzogen.

Sie sehen, die damalige „Arglist der Zeit“ gibt es auch heute. Deshalb braucht es uns Bürger, dass wir hinstehen und Widerstand gegen diese Arglist leisten, damit die Schweiz frei bleibt und unsere Volksrechte geschützt bleiben.

Ich danke Ihnen für Ihren persönlichen Einsatz für eine freie und unabhängige Schweiz. Damit wir auch die kommenden Geburtstage der Schweiz wiederum mit Dankbarkeit und Wohlstand begehen können.

Ein Kommentar zu “1. Augustrede Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher in Flims”
  1. Altorfer sagt:

    Einfach genial diese Rede! Gratuliere!

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