Südostschweiz-Chefredaktor Joachim Braun attestiert in seinem am 19. September 2026 erschienen «Kommentar zur Woche» der SVP Graubünden einen historischen Wahlerfolg. Gleichzeitig greift er ihren Wahlerfolg politisch an: Die Menschen hätten eine «tiefe Sehnsucht nach einfachen Antworten». Die SVP liefere «scharfe Sprüche und Verkürzungen».
Damit unterläuft dem Chefredaktor ein Fehlurteil über einen grossen Teil des Stimmvolks.

Zum Kommentar zur Woche von Joachim Braun vom 19. September 2026
35 Grossratssitze. Stärkste Partei im Kanton. Rückkehr in die Regierung nach 18 Jahren. Zigtausende Bündnerinnen und Bündner haben der SVP ihre Stimme gegeben. Braun erkennt darin keinen politischen Auftrag. Er erkennt verführbare Wähler.
Wenn Wählerinnen und Wähler links wählen, gilt das als gesellschaftlicher Wandel. Wenn sie grün wählen, als Sorge um die Zukunft. Wählen sie die SVP, sollen sie plötzlich auf «einfache Antworten» hereinfallen. Bequemer kann man sich eine Wahlanalyse nicht machen.
Joachim Brauns Erklärung erspart ihm die Auseinandersetzung mit den Gründen für diesen Wahlerfolg der SVP. Wir nennen sie: Die Bevölkerung erlebt hohe Zuwanderung, knappen Wohnraum, steigende Mieten, mehr Bürokratie, überlastete Verkehrsachsen und eine ungelöste Wolfsproblematik. Sie erlebt auch einen Bundes- und Kantonshaushalt, dessen Ausgaben aus unserer Sicht schneller wachsen als die Wirtschaft.
Das sind keine Sprüche. Das sind Realitäten.
Die Menschen haben SVP gewählt, weil sie Antworten verlangen. Weil sie genug davon haben, dass ihre Anliegen relativiert, vertagt oder moralisch abgeurteilt werden – von der Politik und von Journalisten, die sich über das Stimmvolk erheben, statt ihm zuzuhören.
Die SVP Graubünden benennt Probleme. Sie legt Lösungen vor. Im Grossen Rat, im Nationalrat, künftig wieder in der Regierung – und in den Gemeinden. SVP-Mitglieder tragen in zahlreichen Gemeinden Verantwortung: als Präsidenten, in Vorständen und in Kommissionen. Und es werden mehr. Wer Budgets verantwortet, Infrastruktur sichert und öffentlich-rechtliche Anstalten und Körperschaften führt, macht keine «Verkürzung». Er macht Sachpolitik. Das gefällt dem Chefredaktor nicht. Den Wählerinnen und Wählern im Bündnerland offenbar schon.
Der 14. Juni 2026 war kein Missverständnis. Kein Zufall. Sondern ein demokratischer Entscheid. Wer ihn nicht erklären kann oder nicht erklären will, sollte sich zurückhalten, statt Bündner Wählerinnen und Wählern zu belehren.
Stefan Metzger, Präsident SVP-Fraktion im Grossen Rat, Zuoz
