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TAG benachteiligt kleine, periphere Orte – Leserbrief von Gabriella Binkert Beccetti

Es ist falsch, wenn behauptet wird, dass die neue Tourismusabgabe TAG für die Förderung der kleinen, peripheren Orte nötig sei. Das Gegenteil ist der Fall, TAG benachteiligt diese Orte massiv und wird dazu führen, dass in diesen Orten die Investitionen zurückgehen und die Abwanderung weiter verstärkt wird. Wer den vom Kanton aufgeschalteten Rechner konsultiert, wird diese Feststellung mehr als bestätigt sehen.

Beispiel 1: Neues Ferienhaus von 150m2 auf der Lenzerheide und gleich grosses, altes Haus in Valchava (Val Müstair). Das zu einem hohen Preis leicht vermietbare Ferienhaus auf der Lenzerheide soll mit 1455 Franken belastet werden, das schwer vermietbare Haus in Valchava mit 1560 Franken!!!

Beispiel 2: Eine Wohnung von 100m2 in altem Haus in Rabius wird gleich belastet wie eine neue Ferienwohnung in Disentis. Auch hier ist klar: in Disentis wird man eine höhere Auslastung erreichen und auch höhere Einnahmen generieren, die vorgesehene Abgabe entspricht der bisherigen Belastung und ist tragbar. Demgegenüber ist die gleich hohe Belastung für die Wohnung in Rabius, die schwer vermietbar ist und auch höhere Unterhaltskosten erfordert, völlig unverhältnismässig. Berücksichtigt man noch die Steuern auf dem Eigenmietwert sowie die Hypothekarkosten ist klar, das die Wohneinheit in der peripheren Gemeinde Rabius ein hohes Defizit abwirft.

Beispiel 3: Ein schlecht ausgelasteter Gastgewerbe-Betrieb im abgelegenen Martina wird gleich hoch belastet wie ein Gastgewerbe-Betrieb gleicher Grösse im Zentrum von Davos.

Die Beispiele lassen sich beliebig erweitern. Jedermann kann auf www.awt.gr.ch den Rechner des Kantons konsultieren und weitere Beispiele rechnen lassen.

Es wird nun behauptet, die einzelnen Orte könnten die Tourismusabgabe reduzieren. Sie können dies aber nur tun, wenn sie den Ausfall über Steuereinnahmen kompensieren. Das ist nun gerade in den abgelegenen, kleinen Orten, die sehr oft dem Finanzausglich unterstellt sind nicht möglich. Damit bleibt die nüchterne Feststellung: im Gegenteil zu den Tourismuszentren, wo die Tourismusabgabe nur wenige % der Einnahmen ausmacht, kann sie in den abgelegenen Orten rasch 20 und mehr % der Einnahmen ausmachen. Damit wird vor allem auch für die Landwirtschaft ein dringend notwendiges Nebeneinkommen durch Vermietung einer Ferienwohnung illusorisch. Es bleibt in Anbetracht dieser Tatsache nichts anderes übrig, als die vorgeschlagene Tourismusabgabe abzulehnen und dem Grossen Rat zu ermöglichen, ein gerechteres Finanzierungssystem für unsere Tourismuswerbung zu erarbeiten. Dies ist umso notwendiger, als auch die grossen Tourismuszentren das vorgeschlagene Projekt ablehnen. Ein neues Finanzierungssystem muss die bestehenden und funktionierenden Finanzierungssysteme in den Zentren nicht in Frage stellen und für die kleinen Orte so ausgestaltet sein, dass die bescheidenen touristischen Aktivitäten in diesen Orten gefördert und nicht noch mehr abgewürgt werden.

Gabriella Binkert Becchetti, Präsidentin Handels- und Gewerbeverband Val Müstair

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